Der „Biss“-Reichweite entwachsen…

Vor einiger Zeit entweihte ich meinen geliebten Blog unter anderem mit einer Rezension bzw. Loblied auf die Biss-Reihe, bei den meisten als Twilight bekannt. Nun entsann ich mich mal wieder der Bücher, die ich früher sehr geschätzt habe und warum. Warum bekommen Autoren wie Stephanie Meyer so viel (kommerzielle) Aufmerksamkeit, was machte Bella und Edward berühmt?

…Dumme, „romantische“ Geschöpfe. Wie mich. Damals.

Und um mit meinen damaligen und ziemlich unerwünschten Neigungen abzuschließen, wie ich die Biss-Reihe heute sehe.

Zunächst haben wir da einmal das introvertierte Mädchen, das, damit der Charakter in die Tiefe geht, Sarkasmus verpasst bekommt. Dann ist da der mysteriöse, wunderschöne Junge, der sich zuerst wie ein Verzeihung, Kotzbrocken, verhält, und die erste Rettung passiert! Das Mädel wird misstrauisch und geht wegen einer Sage davon aus, dass der Typ ein Vampir ist. Ist er auch. Und jetzt wird ganz schnell mit den nicht so tollen Sachen über ihn aufgeräumt – er saugt keine Menschen aus, und ist auch kein Kotzbrocken, sondern im Inneren hin und hergerissen – und damit noch ein wenig mehr Kitsch in die Sache reinkommt, glitzert er noch in der Sonne. So. Ach ja, und er ist unsterblich in das Mädel verliebt und sie in ihn, und hier könnte es jetzt aufhören und alle sind zufrieden, aber da kommen noch ein paar blutrünstigere Vampirchen, der Typ haut irgendwann ab (übrigens, soll das die Botschaft sein? „Wenn euch euer Lover verlässt, versucht ihr ständig, euch umzubringen, damit ihr in eurer Psychose eine Halluzination von ihm seht“? Was?) und dann wird ein paar Mal die unsterbliche Liebe bewiesen und sie wird ständig gerettet und jedes Buch wird irgendetwas an die Handlung drangepappt, damit die Autorin praktisch gezwungen ist, dieses Buch zu schreiben. Und weitere Millionen einzukassieren. Hm.

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Absurde alltägliche Beobachtungen; heute: Sommerliche Gewissensbisse

Ich gehöre zu meinem ausgesprochenen Leidwesen zu den Menschen auf diesem Planeten, die sich im Sommer den Winter wünschen und umgekehrt. Heute hat diese Absurdität sogar noch weitere ungeahnte Dimensionen angenommen!

ich ertappte mich nämlich dabei, dauerhaft schlechtes Gewissen zu haben, da ich statt draußen im wohlwollenden Schein der Sonne herumzutollen, zuhause sitze. Und genau wegen dieses dauerhaft schlechten Gewissens wünsche ich mir gar, dass es Winter wird, wo es sogar zelebriert wird, drinnen zu bleiben, in einem riesigen, entweder spottbilligen oder überteuerten Riesenpullover zu sitzen und Möchtegern-Starbucks-liken Kakao zu trinken, oder was auch immer die Instagram-„Beautys“ auch so machen.

Ungeheuerlich, nicht wahr?

Hanns-Josef (kreativ, kreativ: Zwei „N“s!) Ortheil

Ma forse qualcuno risponde?

Benjamin Merz, Ethologe, Kölner, jüngster fünf Geschwister, Gehemmter, Frager, Erzählen-Lasser, Italienisch-Sprechender, Benjamin Merz also kommt eines Tages in Mandlica an, einer kleinen Stadt auf Sizilien, sein neues Forschungsobjekt. Als Ethnologe ist es sein Beruf, sich zu integrieren, die verborgenen Strukturen hinter diesem Netzwerk, das auch in großen Städten, viel mehr aber in diesen internen, unter sich bekannten Städten oder Dörfern, zu erkunden und zu verstehen. Anders als geplant verliebt sich Benjamin langsam in diese Stadt, in die Bewohner, bei denen er bald als eine Art Gedankenleser bekannt wird und die im Grunde auch nur erzählen möchten, Ballast abwerfen möchten, und in die Person, bei der er wieder zum Kind wird und anfängt zu erzählen.

Für mein Fazit lege ich mir die Worte von Rüdiger Safranski in den Mund, „ein heller, sonnenüberfluteter Roman…“. Schön durch den Inhalt, nicht durch blumige Formulierungen, aufbauend durch die Entwicklung, nicht durch ein kitschiges Happy End. Dieses Buch erfreut, erschreckt, lässt einen selbst wachsen, prägt… Und dieses Subtile! Diese alles Einbeziehende! Weder sehr imposant noch filigran (dabei liegt im Filigranen doch auch eine Art Imposanz (…ist das jetzt ein existentes Wort…?), ein fast schon schamloses Hinweisen auf die Kunstfertigkeit dieses und jenes, doch immerhin geschmackvoller als die Alternative).

Dieses Buch erzeugt Glücksgefühle, aber dringt nicht auf den Leser ein. Es ist, als ob sie einfach für sich existiert, die Geschichte, und sich selbst mit dem Leser teilt. Sie kann auch ohne den Leser existieren, anders als bei anderen, bei denen die Existenz darauf basiert, ob der Leser die gemeinten Gefühle herübertransportiert bekommt und sie fühlt, als wäre es die eigenen, sondern es ist klar, dass sie (Ach Leute, vielleicht merkt ihr, wie schwer es mir fällt, meine Empfindung in Worte zu fassen…) eben nicht so beeinflusst, dass sie die Gefühle hervorruft, die für den Bestand der Geschichte notwendig sind. „Das Kind, das nicht fragte“ lässt einem aus der Distanz die Entscheidung, ob man drin sein möchte, es macht sich nicht selbst davon abhängig.

Nun gut, ich vertiefe mich jetzt nicht weiter in hilflose Erläuterungsversuche (mir fehlen die Worte? Mir?), machen wir es doch ganz kurz:

Subtil, von unbeschreiblicher Poesie, aber nie affektiert. Von gewisser Ehrlichkeit, aber nie grob. Perfekt und wunderschön.

Aber antwortet jemand?

Gemeines Volk und Herrschaften, versammelt euch! Die Kriegsdeklaration ist eingetroffen!

Nun ist es soweit: Die Kriegsdeklaration ist eingetroffen, das Elfenvolk vom Terrain Tiergarten ist bereit zu kämpfen. Eine letzte Ansprache der Königin vor ihren Truppen.

„Liebes Volk! Ich stehe heute vor euch, nicht als Königin, sondern als ein stolzer Teil von euch! Nur zusammen können wir die groben Grunewald-Gremlins verscheuchen, die es sich zum unsinnigen Ziel gemacht haben, unser Reich in eine ihrer diktatorischen Kolonien zu verwandeln. Unsere Spione melden, sie würden Schmutzfink-Nixen als Verbündete haben, die sie über die Große Spree zu uns bringen. Doch wir haben auch Verbündete! König Triton, die Lilien- wie Rosenelben und natürlich die kleinen Moskitofeen. Also verzaget nicht und verteidigt eure Heimat, nicht für mich, nicht für das Reich, sondern für euch, für uns! Und nun, schwärmet aus, meine tapferen Kriegerinnen und Krieger der Vorhut. Wir anderen werden warten, bis auch wir zum Einsatz kommen. Danke!“

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